Mittwoch, 19. Juli 2017

Die Unsichtbare - ein Schreibversuch

Der Sommer ist da, es sind Ferien - und endlich habe ich (neben zahlreichen anderen Projekten, auf die ich mich schon unheimlich freue!!) auch wieder den Kopf frei, um einfach so drauf los zu schreiben. Aktuell sind es alleridngs weniger Märchen, die bei mir herumgeistern, sondern einfach mal was anderes. Hier der Beginn; ich bin selbst schon gespannt, in welche Richtung sich diese Geschichte weiterentwickelt. Einfach so - zum Spaß.


Grau und grün flog die Landschaft an ihr vorbei, ein hypnotischer Wirbel aus torfigen Hügeln und schwarzen Seen unter einem grauen, schweren Himmel. Sie wusste nicht mehr, wie lange sie schon unterwegs war, wie lange sie jeden Stein unter den Rädern der Kutsche nur noch als dumpfen Schlag spürte, der es ihr unmöglich machte, etwas zu lesen oder gar eine Handarbeit anzufangen. Mit den Mitreisenden, die hier und da zugestiegen waren, und lediglich einen fragenden Blick auf ihren Gehstock geworfen hatten, hatte sie kaum ein Wort gewechselt.

Was hätte man mit einer wie mir auch reden sollen. Ich weiß, wie ich aussehe, dass ich keine „elegante Erscheinung“ bin oder einen Hauch von „Großer, weiter Welt“ an mir habe. Ich saß nur stumm in meiner Ecke im Wagen und starrte auf die Landschaft hinaus. Wohin meine Gedanken flogen, geht niemanden etwas an. Was ich zu sagen habe, interessierte keinen – also warum hätte jemand sich die Mühe machen sollen, mit mir eine Konversation zu beginnen. Hätte jemand mit Jane Eyre zu plaudern begonnen, als sie auf dem Weg nach Thornfield war? Wer hätte also mit Mildred Wiseman reden sollen, während sie auf dem Weg nach Castle Mar war.

Seit der kurzen Rast zu Mittag, bei der man ihr lediglich eine ranzig schmeckende Pastete und schalen Wein vom Vortag vorgesetzt hatte, hatte sie den Wagen nicht mehr verlassen. Der Kutscher hatte offenbar eine Vorliebe für den schlechten Wein des Wirts gehabt und es nach der Rast kaum noch auf den Kutschbock geschafft, während allein die Pferde offenbar sehr zufrieden mit ihrer Verpflegung waren und fröhlich weiter trabten ohne auf die Lenkversuche ihres Herrn zu achten.

Müde starrte ich aus dem Fester und fragte mich, wie lange es noch dauern würde, bis wir endlich Castle Mar erreichten. Ich hatte wenig Lust, noch eine weitere Nacht in einem Gasthaus an der Straße verbringen zu müssen, zumal ich ohnehin kaum mehr ein paar Pfund bei mir hatte und auf den Genuss ungewaschener Bettwäsche durchaus verzichten konnte; außerdem freute ich mich darauf, endlich meine neue Stellung anzutreten. Egal wie anstrengend die Arbeit sein würde, es war etwas Neues, ein Hauch von Freiheit, den ich nach den langen Jahren in St. Claires nicht vorüberziehen lassen wollte. Allerdings hatte ich kaum Einfluss auf den Zustand der Straße und meines Fahrers und mir blieb nichts anderes übrig, als mich gottergeben beidem anzuvertrauen und auf das Beste zu hoffen.
Nachdem ich mit etwa neunzehn Jahren mein Elternhaus verlassen hatte, um für ein paar Monate bei einer bekannten Familie als Gouvernante tätig zu sein, ehe sie nach Wien zurückzogen, hatte ich mein Zuhause nicht mehr betreten; wahrscheinlich fiel es mir deshalb so leicht, die vertraute Enge von St. Claires gegen die unbekannte Weite einer schottischen Grafschaft einzutauschen. Ich weiß, dass mein Vater froh gewesen war, mich endlich aus dem Haus zu haben, immerhin war es ihm immer ein bisschen peinlich gewesen, wenn seine Gäste mich zu Gesicht bekamen – und so sehr ich mich auch bemühte, ich konnte mich nicht vollkommen unsichtbar machen. 


Über Ideen, konstruktive Kritik oder schlicht Feedback würde ich mich freuen :) 

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